Freitag, 31. Oktober 2014

FSSP: Bilder von Einkleidung und Tonsur


Bilder vom letzten Samstag, 25. Oktober 2014, von der Einkleidung und Tonsur von 18 Seminaristen des Internationalen Priesterseminars St. Petrus der Petrusbruderschaft in Wigratzbad gibt es hier. Die Zeremonie fand im Lindauer Münster Unserer Lieben Frau statt durch Erzbischof Wolfgang Haas (Erzbistum Vaduz, Liechtenstein). Bericht und Bilder auch auf dem französisch-sprachigen Blog des Seminars (hier).



Zum Reformationstag: Martin Luther über die Ohrenbeichte


"Dennoch will ich mir die heimliche Beichte niemals nehmen lassen; wollte sie nicht um den Schatz der ganzen Welt geben, denn ich weiß was für einen Trost und Stärke sie mir gegeben hat. Es weiß niemand was sie vermag, als wer mit dem Teufel gefochten hat. Ja, ich wäre längst vom Teufel erwürgt wenn mich nicht die Beichte erhalten hätt."

Martin Luther in seiner Predigt am 2. Fastensonntag (Reminiscere) 1522



Bild: Beichtstuhl in der kath. Pfarrkirche St. Georg und Jakobus zu Isny; eigenes Foto

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Worte der Päpste zum Rosenkranzgebet (4) - Johannes Paul II.


Zum Rosenkranz-Monat Oktober

Papst Johannes Paul II. (Fortsetzung von hier)



Schämt euch nicht, den Rosenkranz zu beten - wenn ihr allein seid, auf dem Schulweg, in der Universität, auf der Arbeit, auf der Straße und in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Gewöhnt euch daran, ihn gemeinsam zu beten, in euren Gruppen, Bewegungen und Verbänden; zögert nicht, dieses Gebet zu Hause euren Eltern und Geschwistern vorzuschlagen, denn es belebt und festigt die Beziehungen in der Familie. Dieses Gebet wird euch helfen, stark im Glauben zu sein, beständig in der Liebe und ausdauernd in der Hoffnung.



am 10.04.2003 zu Jugendlichen

»Süße Kette, die uns an Gott bindet.« Tragt sie immer bei euch! Der Rosenkranz, mit kluger Frömmigkeit gebetet, wird euch helfen, das Geheimnis Christi in euch aufzunehmen, um von Ihm das Geheimnis des Friedens zu lernen und daraus einen Lebensentwurf zu machen. 

Weit davon entfernt, eine Flucht vor den Problemen dieser Welt zu sein, hilft euch der Rosenkranz, diese mit den Augen der Verantwortung und des Großmutes zu betrachten. Er wird euch helfen, die Kraft zu finden, euch den Problemen in der Gewißheit göttlicher Hilfe und mit dem festen Vorsatz zuzuwenden, unter allen Umständen die Liebe zu bezeugen, die »das Band ist, das alles vollkommen macht« (Kol 3,14)




Wenn die Christen zu Beginn des dritten Jahrtausends tatsächlich gerufen sind, zunehmend »Betrachter des Antlitzes Christi« (Novo millennio ineunte, 16) zu werden, und die kirchlichen Gemeinschaften dazu aufgerufen sind, »echte Schulen des Gebets« (ebd., 33) zu werden, dann ist der Rosenkranz der bevorzugte »marianische Weg«, um dieses doppelte Ziel zu erreichen.

In dem Wunsch, noch transparenter für das »Geheimnis« Christi zu werden, betrachtet die Kirche die »Geheimnisse« seines Evangeliums in der Schule Marias. Dies ist der »Weg Marias« (vgl. ebd., 24), der Weg, auf dem sie ihren beispielhaften Glaubensweg als erste Jüngerin des fleischgewordenen Wortes gegangen ist. Dies ist zugleich der Weg einer echten marianischen Frömmigkeit, ganz auf die tiefe Beziehung ausgerichtet, die zwischen Christus und seiner heiligen Mutter besteht (vgl. ebd.).



Weiteres zum Thema "Rosenkranz":


Bild: Maria, die Himmelskönigin und Königin des heiligen Rosenkranzes schenkt den Dominikanern den Rosenkranz; Fresko in der Kapelle des Angelicums, der Päpstlichen Universität der Dominikaner in Rom; Lawrence OP

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Außerordentliches von der Bischofssynode 2014

Eine bemerkenswerte Analyse der vor kurzem zu Ende gegangenen Außerordentlichen Bischofssynode über das Thema Ehe und Familie ("Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung")  hat der Theologe und Papstbiograph George Weigel vorgestellt. Die Synode, so Weigel, sei in mehrfacher Hinsicht "außerordentlich" gewesen. Dafür zählt er mehrere Items auf. Unter anderem meint er:

"Die Synode erhielt außerordentlich viel mediale Aufmerksamkeit. Zu viele hätten allerdings irrtümlich erwartet, den historischen Moment der Kapitulation der katholischen Kirche vor der sexuellen Revolution zu erleben." (Quelle: kath.net)

Außerdem sei "das außerordentliche Selbstbewusstsein von Bischöfen sichtbar geworden, die sterbenden Lokalkirchen vorstehen, die sich aber trotzdem darin gefallen würden, pastorale Ratschläge an Lokalkirchen zu richten, die blühen und gedeihen." Hier spielt Weigel offensichtlich auf die - vor allem deutschen - Bischöfe, Theologen und Theologenbischöfe an, die in der Kirche eine "Zeitungleichheit" der verschiedenen Teilkirchen behaupten wollen und sich selbst für bereits "höherentwickelt" halten - mit der Folge zu meinen, für sich und ihre fortschrittlichen Teilkirchen Sonderrechte in Anspruch nehmen zu dürfen, selbst wenn diese dem Wort des Herrn entgegengesetzt sind.

Diese Bischöfe und Theologen - und Theologenbischöfe -, so Weigel, würde es wohl nicht im Geringsten berühren, dass sie in den letzten 50 Jahren den Zusammenbruch des westeuropäischen Katholizismus verwaltet hätten.

Wenn die diesjährige Synode ein Vorgeschmack auf die im Herbst 2015 folgende Ordentliche Bischofssynode sei, so verspreche auch die kommende Synode eine "außerordentliche" zu werden...


Originalartikel in englischer Sprache auf "First Things" hier; teilweise Übersetzung via kath.net



Bild: Vatikan, Eingang zur Synoden-Aula am 10.10.2014 während der Bischofssynode ; eigenes Foto

Worte der Päpste zum Rosenkranzgebet (3) - Johannes Paul II.

Zum Rosenkranz-Monat Oktober

Papst Johannes Paul II.


Der Rosenkranz der Jungfrau Maria (Rosarium Virginis Mariae), der sich allmählich im zweiten Jahrtausend unter dem Wehen des Geistes Gottes entwickelt hat, ist ein durch das Lehramt empfohlenes beliebtes Gebet vieler Heiliger. In seiner Schlichtheit und Tiefe bleibt der Rosenkranz auch in dem soeben begonnenen dritten Jahrtausend ein Gebet von großer Bedeutung und ist dazu bestimmt, Früchte der Heiligkeit hervorzubringen.
 
Dieses Gebet reiht sich gut ein in den geistigen Weg des Christentums, das nach zweitausend Jahren nichts von der Frische des Ursprungs verloren hat und das sich durch den Geist Gottes gedrängt fühlt, "hinauszufahren" ("duc in altum!"), um der Welt wieder und wieder Christus zuzurufen, noch mehr ihn "hinauszurufen": Christus, als den Herrn und Erlöser, als "den Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), als "das Ziel der menschlichen Geschichte, der Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und Kultur konvergieren". (1)

Tatsächlich ist der Rosenkranz, wenn auch von seinem marianischen Erscheinungsbild her charakterisiert, ein zutiefst christologisches Gebet. In der Nüchternheit seiner Teile vereinigt er in sich die Tiefe der ganzen Frohen Botschaft, für die er gleichsam eine Kurzfassung (2) ist. In ihm erklingt das Gebet Marias, ihr unaufhörliches Magnificat durch das Werk der erlösenden Menschwerdung, die in ihrem jungfräulichen Schoß ihren Anfang nahm.

Mit dem Rosenkranz geht das christliche Volk in die Schule Mariens, um sich in die Betrachtung der Schönheit des Antlitzes Christi und in die Erfahrung der Tiefe seiner Liebe einführen zu lassen. In der Betrachtung der Rosenkranzgeheimnisse schöpft der Gläubige Gnade in Fülle, die er gleichsam aus den Händen der Mutter des Erlösers selbst erhält.


(1) Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 45.
(2) Paul VI., Marialis cultus (2. Februar 1974) 42: AAS 66 (1974), 153; vgl. OR dt., Nr. 20 (1974), 8.



Ebd. (unter Nr. 41 und 42)

Eine Familie, die vereint betet, bleibt eins. Seit altersher wird der Rosenkranz in besonderer Weise als Gebet gepflegt, zu dem sich die Familie versammelt. Indem die einzelnen Familienmitglieder ihren Blick auf Jesus richten, werden sie befähigt, sich stets aufs Neue in die Augen zu schauen, miteinander zu sprechen, füreinander einzustehen, sich gegenseitig zu vergeben und in einem durch den Heiligen Geist belebten Liebesbündnis wieder neu zu beginnen. (...)

Die Familie, die zusammen den Rosenkranz betet, gibt ein wenig das Klima des Heimes von Nazareth wieder: sie stellt Jesus in den Mittelpunkt, sie teilt mit ihm Freud und Schmerz, sie legt Bedürfnisse und Vorhaben in seine Hände, von ihm schöpft sie Hoffnung und Kraft für den Lebensweg. (...)

Das Rosenkranzgebet für die Kinder, und noch wichtiger mit den Kindern, – wobei sie vom zartesten Alter an zu dieser täglichen Atempause des ,"betenden Innehaltens" in der Familie erzogen werden – ist sicher nicht die Patentlösung für jedes Problem, aber es ist eine geistliche Hilfe, die nicht unterschätzt werden darf.


am 16. 10.2002 bei der Generalaudienz

Gibt es für die anspruchsvolle, aber außerordentlich wertvolle Aufgabe, das Antlitz Christi mit Maria zu betrachten, vielleicht ein besseres Mittel als das Rosenkranzgebet? Wir müssen die tiefe Mystik wiederentdecken, die in der Einfachheit dieses in der Volksfrömmigkeit so beliebten Gebets enthalten ist.

Dieses Mariengebet ist in der Tat seiner Struktur nach vor allem eine Betrachtung der Geheimnisse des Lebens und des Werkes Christi. Indem wir das "Gegrüßet seist du Maria" wiederholen, können wir die wesentlichen Ereignisse der Sendung des Gottessohnes auf Erden, die uns vom Evangelium und von der Tradition überliefert wurden, eingehend betrachten.



am 21.02.2003

Allen möchte ich empfehlen, das Gebet des heiligen Rosenkranzes auf persönlicher und gemeinschaftlicher Ebene zu verstärken, um vom Herrn die Gnaden zu erlangen, derer die Kirche und die Menschheit ganz besonders bedürfen. Ich lade wirklich alle ein: die Kinder und Erwachsenen, die Jungen und die Alten, die Familien, die Pfarrgemeinden und die Ordensgemeinschaften.

Unter den vielen Anliegen möchte ich auf das des Friedens hinweisen. Der Krieg und die Ungerechtigkeiten haben ihre Wurzel im geteilten Herzen. »Wer das Christusgeheimnis verinnerlicht, und genau darauf zielt der Rosenkranz ab, eignet sich das Geheimnis des Friedens an und macht es zu seinem Lebensentwurf« (Rosarium Virginis Mariae, 40).

Wenn der Rosenkranz unseren Lebensrhythmus bestimmt, wird er zu einem bevorzugten Mittel, das in den Herzen der Menschen, in den Familien und unter den Völkern Frieden schafft. Mit Maria können wir von Jesus, dem Sohn, alles erlangen. Von Maria gestützt, werden wir nicht zögern, uns hochherzig für eine umfassende Verkündigung des Evangeliums bis an die Enden der Erde zu widmen.




Im Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae habe ich erklärt, warum der Rosenkranz seiner Natur nach ein auf den Frieden ausgerichtetes Gebet ist – und zwar nicht nur weil wir, von der Fürsprache Marias unterstützt, inständig um ihn bitten, sondern auch weil wir durch ihn zusammen mit dem Geheimnis Jesu auch seinen Friedensplan in uns aufnehmen.

Durch den ruhigen Rhythmus bei der Wiederholung des "Ave Maria" schenkt der Rosenkranz unserer Seele Frieden und öffnet sie zugleich der heilbringenden Gnade.



Weiteres zum Thema "Rosenkranz":


    Dienstag, 28. Oktober 2014

    Compelle intrare - Nötige sie, hereinzukommen!


    Klatschet in die Hände, ihr Völker alle, jauchzet Gott zu mit Jubelschall!
    Denn der Herr, der Allerhöchste, ist furchtbar, ein großer König über die ganze Erde. 
    Er zwang Völker unter unsere Macht und Nationen unter unsere Füße...

    Der Gott Israels, also auch der Christen, ist Gott des Universums. Also werden "alle Völker" aufgefordert, "in die Hände zu klatschen und zu jubeln".

    Welcher Grund hat dieser Jubel? Die Antwort ist merkwürdig, ja paradox: "Denn furchtgebietend ist der Herr und ein großer König über die ganze Erde." Und dann heißt es auch noch von den Völkern, die Ihn preisen sollen, dass er sie "uns unterwirft und unter unsere Füße zwingt". Unter wessen Füße? Unter die Füße des Gekreuzigten, sagt der heilige Augustinus. 

    Und der Zwang, der von Ihm ausgeht, ist kein physischer. Er geht aus von der Liebe des Herzens Jesu. Jeder, der sich bekehrt zum Glauben an Ihn, erfährt diese Bekehrung nicht als seine Wahl, sondern als Nötigung durch Ihn. Compelle intrare, "Nötige sie, hereinzukommen", sagt der Hausherr, der seine Boten an die Hecken und Zäune schickt, um zu seinem Mahl zu laden (Lk 14,23). "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt" (Joh 15,16), sagt der Herr.

    Und so erscheint die Aufforderung zum Jubel nur von außen wie Zwang. Von innen, vom Inneren des Bekehrten aus gesehen, ist sie der Eintritt in das Reich Gottes, das Reich der Liebe, das Reich, das nicht von dieser Welt ist. Und der Anfang der Weisheit", also des Eintritts in dieses Reich, ist die Furcht Gottes (Ps 111,10). Durch sie erst tritt der Mensch ein in das göttliche Koordinatensystem, in die Realität.


    Robert Spaemann: Meditationen eines Christen - Über die Psalmen 1-51; Verlag Klett-Cotta Stuttgart; AD 2014 (s. Quellen)





    Bild: Herz Jesu-Medaillon in der Kirche Santa Maria Maddalena in Rom; eigenes Foto

    Montag, 27. Oktober 2014

    Benedikt XVI.: Freude über die Wahrheit weiterschenken

    Warum der Missionsauftrag (vgl. Mt 28,19) auch heute gilt

    Freude muss sich mitteilen. Liebe muss sich mitteilen. Wahrheit muss sich mitteilen. Wer eine große Freude empfangen hat, kann sie einfach nicht für sich behalten, er muss sie weitergeben.

    Das Gleiche gilt für das Geschenk der Liebe, für das Geschenk der Einsicht in Wahrheit, die einem aufleuchtet. Als Andreas Christus begegnet war, konnte er einfach nicht anders, als seinem Bruder zu sagen: „Wir haben den Messias gefunden“ (Joh 1, 41). Und Philippus, dem die gleiche Begegnung geschenkt war, konnte nicht anders als dem Nathanael sagen, dass er den gefunden hatte, von dem Moses und die Propheten gesprochen hatten (Joh 1, 45).

    Wir verkünden Jesus Christus nicht, um möglichst viele Mitglieder für unsere Gemeinschaft zu sammeln und schon gar nicht, um auf diese Weise Macht zu erhalten. Wir erzählen von ihm, weil wir die Freude weitergeben müssen, die uns geschenkt wurde. 


    Botschaft von Papst em. Benedikt XVI. an die Päpstliche Universität Urbaniana anlässlich der Eröffnung der restaurierten Aula Magna (21.10.2014)


    Bild: eigenes Foto (Rom 2014)

    Mittwoch, 22. Oktober 2014

    Bischofssynode zum Thema Familie - Jetzt geht die Arbeit richtig los

    Ein Lustspiel? Drama? Trauerspiel? - Oder doch ein Lehrstück katholischen Glaubens, Denkens und Lebens - in drei Akten?

    Erster Akt

    Der erste Akt ist bereits Geschichte, der Vorhang gefallen - und wer das Schauspiel verfolgt hat, der war überrascht über die Dramatik und die Diskrepanz von Meinungen, die hier unter Bischöfen, d. h. unter den Hütern des Glaubens und den Lehrern der Wahrheit zu Tage trat. Dennoch steht die Lehre fest und aus ihr ergibt sich die rechte Pastoral.

    Die Lehre der Kirche, z. B. in Bezug auf die Unauflöslichkeit einer sakramentalen und vollzogenen Ehe, ändert sich nicht. Darin zumindest sind sich alle einig. Dem widerspricht auch nicht, dass sich durch Forschung und Erkenntnis die Lehre auf einigen Gebieten weiterentwickelt. Kardinal Kasper wies in einem Interview auf einen Ausspruch des sel. John Henry Kardinal Newman hin, der sich in dieser Weise geäußert habe. In der Tat kann eine Glaubenswahrheit vertieft, verdeutlicht und verfeinert werden, kann den Blick auf das Heilige und die Heiligkeit weiter freigeben, niemals aber kann die Entwicklung eines Dogmas dem ursprünglichen Sinn und Verständnis desselben widersprechen. So verstand es auch Newman.

    Die Lehre der Kirche geht der Pastoral voraus. Aus der Pastoral hat sich das Kirchenrecht entwickelt, es beschreibt das Normale, das Prinzipielle, wie die Lehre der Kirche in der Praxis und in Zweifelsfällen anzuwenden ist und trifft Vorsorge für die im Einzelfall möglichen Ausnahmesituationen. So ist das kirchliche Recht ein Hilfsmittel der Pastoral, wie Michael Gurtner darlegt, und ein Schutz der Gläubigen vor Willkür und Zeitgeistmanier (s. Michael Gurtner: Unbarmherziges Kirchenrecht?).

    Viele Bischöfe haben ihre Verantwortung für die Verteidigung des Glaubens und der Lehre wahrgenommen, viele Gläubige haben diese Synode im Gebet begleitet und Papst Franziskus sagte in seiner Schlussansprache an die Synodenteilnehmer: 
    "Wie ich zu Beginn der Synode gesagt habe, ist es nötig, das alles in Ruhe und innerem Frieden zu durchleben, damit die Synode cum Petro et sub Petro (mit Petrus und unter der Leitung Petri) verläuft, und die Anwesenheit des Papstes ist für das alles Garantie.

    Die Aufgabe des Papstes ist es nämlich, die Einheit der Kirche zu garantieren; es ist seine Aufgabe, alle Gläubigen an ihre Pflicht zu erinnern, treu dem Evangelium Christi zu folgen; es ist seine Aufgabe, die Hirten daran zu erinnern, dass es ihre wichtigste Aufgabe ist, die Herde zu hüten, [die] der Herr ihnen anvertraut hat und die verirrten Schafe zu suchen und willkommen zu heißen, in Väterlichkeit, Barmherzigkeit und ohne falsche Angst." (Quelle: DBK)
    Angst aber muss man nur haben vor dem Gerichte Gottes, davor, als untreuer Verwalter erfunden zu werden, als Mietling, dem das Leben und Seelenheil der Schafe gleichgültig ist und der ihnen verdorrtes Gras als Nahrung und verfaultes Wasser zu trinken gibt, statt sie zu den saftigen Wiesen und klaren Wassern des Gottesreiches zu führen. Und das nur, weil ihm der Weg zu den frischen Wiesen zu weit für die wohlgenährten Schafe schien.

    Aber auch: Kein Schaf kann mit Gewalt und gegen seinen Willen aus den Dornen befreit und zu den saftigen Wiesen geführt werden. Wenn es der Stimme des guten Hirten nicht folgen will, sich vehement gegen die Rettung durch seinen Erlöser wehrt, so muss es der Hirte zurücklassen und es der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen. Auch dann besteht noch Hoffnung, solange es noch am Leben ist! Gott ist barmherzig und Gottes Gesetz ist es gleichfalls.


    Zweiter Akt

    Der zweite Akt wird in der Aufarbeitung der im ersten hervorgetretenen Schwierigkeiten und umstrittenen Positionen bestehen, die einige der Synodenväter als Dauerbrenner ihrer Ortskirche in die Synodenaula getragen hatten: Kommunionempfang für zivil wiederverheiratete Geschiedene oder eine wertschätzende Einstellung, sprich Akzeptanz von "alternativen Familienmodellen", wie z. B. gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Über vieles andere wurde während der Synode vom 05. - 19. Oktober 2014 gesprochen, aber kein anderes Thema war unter den Bischöfen so kontrovers vorgebracht worden wie diese beiden.

    Das alles sind keine neuen Themen oder auch keine neuen Probleme - Tatsache ist, dass die Intensität dieser Probleme - auch unter katholischen Gläubigen - seit der Ordentlichen Bischofssynode von 1980 über die Familie in der damaligen Zeit, zumindest in den reichen westlichen Ländern, weiter dramatisch zugenommen hat. Voreheliches Zusammenleben, außereheliche Verhältnisse, zivile Ehescheidungen und Wiederverheiratung, also Missachtung des bestehenden Ehebundes und Ehebandes, sind selbst unter nominellen Katholiken üblich und verbreitet.

    Zu all diesen Phänomenen, der "Lebenswirklichkeit" vieler heutiger Kirchenglieder hat bereits die Synode von 1980 und das Nachsynodale Schreiben "Familiaris consortio" des Papstes Johannes Paul II. Stellung bezogen und Hilfen für die pastorale Unterstützung der Gläubigen in schwierigen (Ehe- und Familien-) Situationen aus dem Glauben heraus formuliert. Die Situationen wurden hier sogar so eindeutig und klar erfasst, bei der Synode behandelt und die pastoralen Möglichkeiten ausgelotet, dass es dafür eigentlich keiner neuerlichen Synode über Ehe und Familie bedurft hätte: Eine Rückbesinnung auf diese Quellen des Lehramtes und die Beschäftigung mit ihren pastoralen Ansätzen und Möglichkeiten (und vor allem deren Annahme und Verwirklichung) würden ausreichen, um die verschiedenen Situationen im Lichte des Glaubens einschätzen und angehen zu können.

    Auch die Katechesen des "Papstes der Familie" Johannes Paul II. und andere seiner Aussagen zum Thema Ehe und Familie sind eine Fundgrube und ein Schatz, aus dem Eheleute und Familienangehörige und nicht zuletzt Seelsorger und in der Pastoral Tätige Altes und Neues hervorholen können um der Familie zu dienen und sie auf ihren oft nicht leichten Pfaden zu begleiten. Dieser Ansatz scheint mir in der am Sonntag zuende gegangenen Synode recht kurz gekommen zu sein. Es verwundert doch, dass ausgerechnet die Synodenväter aus Deutschland, das Land, in dem die Schönstatt-Bewegung mit ihrer starken Familienspiritualität entstanden ist, diesen Schatz nicht heben (wollen oder können?).

    Was man in den veröffentlichten Botschaften aus der Synode vermisst hat, ist ein Warnruf vor der menschenverachtenden Ideologie des Gender/ Gender Mainstreaming. Als Familie würde man sich wünschen, dass die Hüter des Glaubens und des christlichen Menschenbildes hier eindeutig widersprechen und deutlich machen, dass diese Ideologie der christlichen Lehre diametral entgegensteht, materialistische Wurzeln hat und droht, den Gläubigen das Leben nach christlichen Werten in der Gesellschaft unmöglich zu machen. Man würde ein Wort der Aufklärung und der Ermutigung vonseiten der Bischöfe begrüßen, so wie dies in vorbildlicher Weise der Bischof von Chur, Vitus Huonder, getan hat.


    Dritter Akt

    Im Herbst 2015, vom 4. bis zum 25. Oktober 2015, wird im Vatikan die XIV. Ordentliche Bischofssynode unter dem Motto "Berufung und Mission der Familie in der Kirche in der heutigen Welt" stattfinden.

    Zu den "deutschen Themen", gemeint sind die Schwierigkeiten in der Pastoral in Fragen um zivil wiederverheiratete Geschiedene oder um eine gewisse Anerkennung alternativer, nichtehelicher aber eheähnlicher Beziehungen, die deutschsprachige Synodenväter in die Synode eingebracht haben, können schon heute den Gläubigen und in der Pastoral Tätigen sichere Handlungsperspektiven aufgezeigt werden, die sich bereits in den Dokumenten des Lehramtes der katholischen Kirche, nämlich vor allem in "Familiaris consortio" und dem "Schreiben an die Bischöfe der katholischen Kirche über die Seelsorge an homosexuellen Personen" nachlesen und erarbeiten lassen.

    "Die Unauflöslichkeit der Ehe", so Kardinal Joseph Ratzinger im Jahre 1998, "ist eine dieser Normen, die auf den Herrn selbst zurückgehen und daher als Normen göttlichen Rechts bezeichnet werden. Die Kirche kann auch nicht pastorale Praktiken – etwa in der Sakramentenpastoral – gutheißen, die dem eindeutigen Gebot des Herrn widersprechen." Die Synode wird andere Wege der Begleitung finden. 

    Die Pastoral der Kirche war auch bisher nicht unbarmherzig, auch wenn das heute gerne einige Kreise insinuieren wollen. Die Lehre der Kirche ist von ihrer Pastoral nicht zu trennen, so wenig wie Wahrheit von Liebe. Beides gehört untrennbar zusammen. So wird auch die Synode im Oktober 2015 nicht die Lehre zugunsten einer nur oberflächlich "barmherzigen Pastoral" ändern, vielmehr müssen wir uns bemühen, die dem Lehramt der Kirche anvertraute  unveränderliche Lehre Jesu immer mehr und immer besser zu hören und anzunehmen und darin Gottes Barmherzigkeit und Heilung für unser Leben zu finden. Eine andere Rettung aus dem Dornengeflecht der Sünde, einen anderen Weg der Heiligkeit gibt es nicht.



    Sonst noch zum Thema "Bischofssynode 2014/15":


    Foto: Petersbasilika:Baldachin über dem Papstaltar; Vatikan, eigenes Foto
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