Donnerstag, 24. Juli 2014

1. August 2014: Gebetstag für die verfolgten Christen im Irak, in Syrien und dem ganzen Nahen Osten

Alle Apostolate der Priesterbruderschaft St. Petrus werden am Freitag, den 1. August 2014, besonders für jene Christen beten und Sühne leisten, die im Irak, in Syrien und anderen Gebieten im Nahen Osten unter entsetzlicher Verfolgung leiden.

Der 1. August 2014 ist der erste Freitag des Monats August und zugleich das Fest "St. Petrus in Ketten", welches in allen Niederlassungen und Apostolaten der Bruderschaft als Fest dritter Klasse gefeiert wird. Es ist jenes Fest, an dem wir in der Epistel von der großen Kraft des beharrlichen Gebets der Kirche hören: "So wurde Petrus im Kerker gehalten. Die Kirche aber betete ohne Unterlass für ihn zu Gott." (Apg 12,5) 

Dieses Fest unseres Patrons soll eine Einladung an alle Gläubigen sein, sich unseren Heiligen Stunden oder sonstigen Gebetszeiten an diesem Tag und in dieser Meinung anzuschließen. Wir bitten die Allerheiligste Dreifaltigkeit, dass diese verfolgten Glieder des mystischen Leibes Jesu Christi in ihrem Glauben standhaft bleiben, und dass sie, wie der hl. Petrus, von dieser schrecklichen Verfolgung befreit werden.

Möge ein solcher Gebetstag uns den krassen Gegensatz vor Augen führen, zwischen den erholsamen Urlaubstagen bei uns und dem täglichen Kampf ums Überleben dort, wo die Christen getötet und von ihrer Heimat verschleppt werden.
Quelle: fssp.org


Bitte verbreitet/ verbreiten Sie diesen Gebets- und Sühneaufruf, auch über die Petrusbruderschaft hinaus, an alle Menschen guten Willens, um an diesem Herz-Jesu-Freitag für die verfolgten Brüder und Schwestern zu beten und Opfer zu bringen und um für die Verbrechen des Krieges Sühne zu leisten!

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"Der Friede auf Erden, nach dem alle Menschen zu jeder Zeit sehnlichst verlangten, kann nur dann begründet und gesichert werden, wenn die von Gott festgesetzte Ordnung gewissenhaft beobachtet wird."
(Enzyklika "Pacem in terris" von Papst Johannes XXIII.)


Bild: Nun-Zeichen (ن) des arabischen Alphabets, Buchstabe N, der das Kennzeichen für "Nazarener" = Christ(en) ist und mit dem im Kriegsgebiet Häuser, in denen Christen leben, gekennzeichnet werden.

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Mittwoch, 23. Juli 2014

Kirche in Deutschland: Narzissmus, Skandale, Machtspielchen und verfehlte Pastoralkonzepte

Stefan von Kempis von Radio Vatikan, Alexander Kissler von "Cicero" und Bernhard Müller vom PURmagazin diskutieren mit André Stiefenhofer über die Zustände innerhalb der Kirche in Deutschland, über den Umgangston innerhalb der Kirche und dem Verhältnis der Kirche zu den säkularen Medien. Das Gespräch wurde am 25. Januar 2014 beim Jahresgedenken des päpstlichen Hilfswerkes "Kirche in Not" an dessen Gründer Pater Werenfried van Straaten im Maternushaus in Köln aufgezeichnet. (2 x ca. 15 Minuten)

Kirchenkrise und kein Ende - Laufen Medienkampagnen gegen die Kirche? Teil 1





Kirchenkrise und kein Ende - Laufen Medienkampagnen gegen die Kirche? Teil 2



Der Weltbild-Skandal:
Der Streit beginnt (Auswahl):

    Seit dem 25. Oktober 2011 bis heute hat die katholische Kirche in Deutschland bezüglich des ihr gehörenden Weltbild-Verlags und seines Angebotes keine Konsquenzen gezogen (außer das halbherzige Sperren einiger Suchworte in der Suchmaske des Online-Angebots). Weiterhin werden esoterische und andere antikatholische Schriften und Produkte im Weltbild-Verlag vertrieben und unters Volk gebracht. Nach der Insolvenz will man sich nun von dem Unternehmen trennen:

    Weltbild-News:




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    Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 45: Zusammenfassung

    Prof. Dr. Georg May

    Die andere Hierarchie


    Teil 45
    Letzter Teil


    Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


    Ergebnisse (Fortsetzung von hier)


    Die andere Hierarchie ist ein entscheidender Schritt auf dem Wege der Verwandlung der katholischen Kirche in eine (weitere) protestantische Gruppe. Das Rätesystem ist ein gewichtiger Faktor bei dem unerhörten Prozess der Selbstzerstörung der katholischen Kirche, eine gigantische Fehlkonstruktion mit Folgeschäden größten Ausmaßes, eine der schlimmsten Verirrungen der nachkonziliaren Kirche im Allgemeinen und der Deutschen Bischofskonferenz im Besonderen.

    Die Umstülpung der Kirchenverfassung vollzieht sich unter dem Schlagwort der Demokratisierung. Die Führungsschwäche der Bischöfe ist es, die den kirchlichen Demokratismus ermuntert.

    Die Demokratisierer wollen nicht etwa Autorität und Führung abschaffen. Sie wollen vielmehr die Verfassung der Kirche so ändern, dass die Herrschaft ihnen zufällt. An die Stelle der Hierarchie geweihter Hirten tritt die Phalanx demagogischer Rhetoren und Skribenten. Die Forderung nach Demokratie in der Kirche hat den Zweck, eine neue herrschende Klasse zu etablieren. Die Basisdemokratie ist nichts anderes  als eine Basisdiktatur. Niemand ist so bodenlos intolerant wie die Verfechter der Demokratisierung der Kirche. Wer sich ihnen entgegenstellt, wird ausgegrenzt.

    Das Wesen der Demokratie ist der Relativismus. Das heißt: Es gibt keine absolute, von allen anerkannte und unumstößliche Wahrheit. In der Demokratie herrscht nicht die Wahrheit, sondern die Mehrheit. Was heute richtig erscheint, kann morgen als falsch verworfen werden. Demokratisierung der Kirche bedeutet daher die Etablierung der Beliebigkeit in Lehre, Ordnung und Gottesdienst der Kirche. Demokratisierung der Kirche ist das Ende jeder Gewissheit in Glaube, Sitten und Gottesdienst.

    Die Demokratisierung der Kirche soll vor allem dazu dienen, unbequeme Normen der Sittlichkeit und des Rechtes zu beseitigen. Der gesamte pseudodemokratische Betrieb in der Kirche läuft darauf hinaus, das Kreuz Christi zu entschärfen. Das Christentum soll bequem und immer bequemer gemacht werden. Alles Anstrengende, beschwerliche und Lästige soll abgeworfen werden.

    Gewiss ist das Ziel der Demokratisierer noch nicht erreicht. Aber auch jetzt schon haben sie Etappensiege errungen.
    • Im Zuge der Demokratisierung der Kirche werden die von Berufslaien gehaltenen Wortgottesdienste "aufgewertet" und betont neben die "Eucharistiefeier" gestellt.
    • Im Zuge der Demokratisierung der Kirche wird die Eucharistiefeier zu einer Mahl- und Gemeinschaftsfeier umfunktioniert.
    • Im Zuge der Demokratisierung der Kirche wird die Geminde an Stelle des Priesters zum Subjekt der Liturgie gemacht. Dem hauptamtlichen Laien werden ständig mehr liturgische Dienste übertragen.
    • Im Zuge dieser Demokratisierung des Gottesdienstes treten Pastoralreferenten bei dem Vorgang der Eucharistiefeier, den Altgläubige Wandlung nennen, zum Priester an den Altar (2).
    • Im Zuge der Demokratisierung teilen - im Widerspruch zur Ordnung der Kirche - Laien das aus, was wir früher Kommunion nannten, während der Priester sich auf seinen Sitz zurückzieht. So wird die heilige Messe zum "Mittel der Durchsetzungs- und Mitbestimmungsstrategien der Laien umfunktioniert" (3).
    • Die Kirche demokratisieren zu wollen heißt, sie dem Chaos ausliefern. "Welch ein Witz ist es doch, eine Erneuerung der Kirche von der Aufweichung der Maßstäbe von Gut und Böse, Wahrheit und Reinheit, Sünde und Gehorsam oder von feministischen geistlichen Herrschaftsansprüchen, Brechung von feierlichen Gelübden und 'demokratischer' Änderung der Wahlordnung für Bischöfe zu erwarten, anstatt von der radikalen inneren Reinigung und Gesinnungsänderung der einzelnen Laien und Priester" (4).

    3.  Die unumgängliche Wende

    Angesichts dieser Lage muss etwas geschehen. Die deutschen Bischöfe sind erstens an ihre unaufgebbare Position als Nachfolger der Apostel und Inhaber der dreifachen Gewalt zu lehren zu leiten und zu heiligen zu erinnern. Sie sind Glieder der einzigen gottgewollten Hierarchie und zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben mit Hirtengewalt ausgerüstet. Sie müssen diese Gewalt gebrauchen, wenn sie sich nicht vor Gott schuldig machen wollen.

    Die deutschen Bischöfe sind weiter an ihre unverzichtbare Verantwortung für die Darbietung und Verteidigung des katholischen Glaubens zu erinnern. Sie dürfen weder über unbequeme Gegenstände dieses Galubens schweigen noch sie abschwächen. Sie müssen ihre Lehräußerungen am Lehramt des Stellvertreters Christi ausrichten. (...) Die falschen Lehren von Königstein und Würzburg müssen widerrufen werden. Der Glaube ist das Fundament der Kirche. Wenn er fällt, stürzt die Kirche.

    Die deutschen Bischöfe sind sodann an ihre Pflicht, die Theologen wirksam zu beaufsichtigen, zu erinnern. Theologie ist Glaubenswissenschaft. katholische Theologie darf sich in keinem Punkt von der verbindlichen Lehre der Kirche entfernen. Dem Ausstoß glaubenszerstörender Literatur ist wirksam zu begegnen.

    Theologen, die den Glauben der Kirche nicht teilen, sind aus ihren Positionen zu entfernen. Es muss endlich einmal damit Schluss gemacht werden, dass ein Kartell von hochbezahlten theologischen Funktionären das ganze katholische Volk in die Irre führt.

    Die deutschen Bischöfe sind weiter an ihre unverzichtbare und unübertragbare Stellung und Verantwortung als Repräsentanten Christi zu erinnern. Ihre Repräsentationsfunktion verträgt keine Konkurrenz von parallelen Räten und Gremien, die im Namen der Kirche oder der katholischen Christen zu sprechen sich anmaßen.

    Das Rätesystem ist eine gigantische Fehlplanung und eine fatale Verirrung; es hat zu verschwinden.

    Es ist geradezu lächerlich, wenn die deutschen Bischöfe in ihrem Papier "Der pastorale Dienst in der Pfarrgemeinde" erklären, die Mitwirkung in den pastoralen Räten sei "ein unverzichtbares Element kirchlichen Lebens" (I,1,3). Das kirchliche Leben war im Vergleich zu heute blühend, als es diese Räte nicht gab. Der Ratlosigkeit der Bischöfe vermag das Rätesystem nicht abzuhelfen. Ich wiederhole darum:

    Das Rätesystem muss ersatzlos abgeschafft werden, damit die Hirten ihre Freiheit, ihre Hauptesstellung in der Gemeinde und ihre Berufsfreudigkeit wieder erlangen können. Wenn das Priestertum leben soll, muss die von den deutschen Bischöfen aufgebaute Räteherrschaft sterben.

    4.  Die Aufgabe der gläubigen Priester und Laien

    Die Lage der Kirche ist ohne Zweifel ernst. Ihre Fundamente sind unterwühlt. Doch Gott hat seine Kirche nicht verlassen. Es sind in der Kirche hierarchische und charismatische Gaben vorhanden (Ad gentes Nr. 4).

    Je mehr die Hierarchie göttlichen Rechtes versagt, um so mehr charismatische Laien hat Gott erweckt. So war es immer in der Kirchengeschichte. Im vorigen Jahrhundert hat sich der Sturm der Aufklärer, Protestantisierer und Demokratisierer an katholischen Laien gebrochen. Damals erklärten mehr als vierzig Ortschaften in Württemberg dem König, sie hätten lieber keinen Pfarrer als einen verheirateten. Es ist in unserer Zeit ähnlich.
    • Es gibt auch heute noch Priester, die zuverlässig katholisch sind und an die sich das gläubige Volk halten kann. Diese gläubigen und tugendhaften Priester sehnen sich nach charismatischen Laien. Es gibt sie. Ich denke an Männer wie Walter Hoeres und Robert Spaemann, ich erinnere an Frauen wie Christa Meves und die Gräfin Plettenberg.
    • Einen großen Teil der Arbeit, die von den Bischöfen getan werden müsste, aber nicht getan wird, leisten heute kleine Gruppen beherzter Laien. Ich denke etwa an die Vereinigungen zum Schutz der Liturgie. Sie haben das Wissen um Sinn und Würde des Gottesdienstes lebendig erhalten, als die Bischöfe beinahe alles in diesem Heiligtum der Kirche duldeten.
    • Ich erinnere an die Initiativkreise (Anm.: s. z. B.  hier und hier) Sie haben den Kampf um den Glauben aufgenommen, den angemessen zu führen die meisten Bischöfe nicht gewillt waren.
    • Ich denke an den Freundeskreis Maria Goretti. Diese mutigen Frauen haben mehr für die Erhaltung der Tugend der keuschheit und für den Kampf gegen die Unkeuschheit getan als die gesamte Deutsche Bischofskonferenz.
    • Ich verweise auf die Aktion "Leben". Sie hat das Bewusstsein für das, was katholische Christen dem ungeborenen Leben schuldig sind, wach erhalten.

    In ihnen allen sehe ich den Geist Gottes am Werk, der seine Zeugen erweckt.

    Immer hat eine wahre Erneuerung in kleinen Kreisen begonnen; ihr unbeirrbares Zeugnis konnte jedoch auf die dauer nicht übersehen werden. Die unter Tränen säen, werden einst mit Freude ernten. Der Herr, dem sie einsam, aber furchtlos gedient haben, wird einst zu ihnen sprechen: "Ihr seid es, die mit mir in meinen Anfechtungen ausgeharrt habt. Darum vermache ich euch das Reich, wie mein Vater es mir vermacht hat" (Lk 22,19).


    (2)  Theologisches 22, 1992, 467
    (3)  Walter Hoeres (Theologisches 22, 1992, 469)
    (4)  Deutsche Tagespost Nr. 91 vom 1. August 1995 S. 9 (Siegfried Ernst)


    Hiermit endet die Schrift "Die andere Hierarchie" von Prof. Dr. Georg May. Angefügt an die Ausführungen von Prof. May, die er als Vortrag am 03. 10.1997 auf der 7. Theologischen Tagung  der Zeitschrift "Theologisches" in Fulda gehalten hat, ist ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis, das hier nicht wiedergegeben wird.


    Übersicht: Zu den Fortsetzungen Teil 1 - 45


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    In "Kathpedia" ist über das Entstehen dieser Schrift von Georg May zu lesen:

    Seit mehreren Jahrzehnten haben Einzelpersonen und Gruppen katholischer Christen, die voll auf dem Boden der kirchlichen Lehre stehen, auf eine Entwicklung hingewiesen, die sich in den Bistümern der katholischen Kirche in Deutschland vollzieht, nämlich auf die schleichende oder offene Entwertung des Priestertums, der priesterlichen Würde und der priesterlichen Vollmacht.

    Am 3. Oktober 1997 hielt Professor Dr. Georg May im Rahmen der 7. Theologischen Tagung der Zeitschrift „Theologisches" in Fulda einen Vortrag, der dieses unheilvolle Geschehen zum Gegenstand hat. Er zeigte in den einzelnen Bereichen und auf den verschiedenen Ebenen die Entmachtung des Priestertums und die Wucherung des Rätesystems auf.

    Es wurde deutlich, dass das Versagen der echten, gottgestifteten Hierarchie die Hauptursache für die Entstehung der anderen, entgegengesetzten Hierarchie ist. Der Widerspruch zwischen gottgewollter Kirchenverfassung und zeitgeistorientierter Umwälzung trat den Zuhörern plastisch vor Augen. Wenige Wochen später wurde er und die Veranstalter der Tagung von höchster kirchlicher Stelle bestätigt, durch die "Instruktion zu einigen Fragen über die Mitwirkung der Laien am Dienst der Priester." Diese Instruktion bestätigt die Ausführungen Georg Mays in entscheidenden Punkten.

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    Der Vortrag von Prof. May am 03. 10.1997 ist auch auf Audio-Cassette (MC) erhältlich bei:
    WETO Verlag Albrecht Weber:
    Prof. Dr. Georg May: "Die andere Hierarchie"
    9 Nr. 2-9728   (2 Cassetten)
    8,50 Euro / 18,25 SFr
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    Weiteres zum Thema:


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    Dienstag, 22. Juli 2014

    Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 44: Bereitschaft zum Abfall / Ergebnisse

    Prof. Dr. Georg May

    Die andere Hierarchie


    Teil 44


    Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


    Fortsetzung von hier

    V.  Bereitschaft zum Abfall

    Das Kirchenvolksbegehren ist eine kirchenfeindliche Aktion, der Beginn einer neuen Abfallwelle von unserer Kirche, einer Los-von-Rom-Bewegung; es läuft auf ein Schisma hinaus.

    Küng hat völlig richtig festgestellt: "Die Zeit des Dialogs ist vorbei" (26). Förderer des Kirchenvolksbegehrens sprechen drohend aus, sie würden sich von der Kirche abwenden, "wenn sich... jetzt auch nichts tut" (27).

    Das Kirchenvolksbegehren ist der Aufstand der Mittelmäßigkeit gegen den Ruf zur Nachfolge, die Empörung von Kaninchenseelen über die Einladung zur Heiligkeit, der Überdruss der Spießer angesichts der Aufforderung zur Selbstverleugnung. Wer sich hier meldet, ist nicht das Volk, sondern das ist die Clique der Ideologen und Demagogen, die unwissende, urteilsunfähige, verwirrte und verführte Christen vor ihren Wagen spannt. Die Initiatoren werden nicht vom Geist Christi, sondern vom Zeitgeist geführt. Sie haben den kirchlichen Sinn verloren. Es ist die hohe Zeit der falschen Propheten.

    Ein Leser schrieb richtig: "Diese haben einen Vulkan angebohrt, der nicht zur Ruhe kommen wird" (28). Das Unternehmen drängt auf Institutionalisierung. Das Einzige, was ihm gegenüber Erfolg verspricht, ist stählerne Härte der Abwehr. Jeder Appell zu Einsicht und Umkehr prallt am harten Kern der Volksbegehrer wirkungslos ab. Die Einführung der Basisdemokratie in die katholische Kirche wäre ihr sicherer Untergang.


    Ergebnisse

    Wenn ich abschließend eine kurze Zusammenfassung meiner Gedanken geben darf, möchte ich Folgendes sagen:

    1.  Die innerkirchliche Revolution

    In unserer Kirche ist seit geraumer Zeit eine Revolution im Gange. Unter Revolution verstehe ich den Prozess des völligen Bruches mit dem religiös-sittlichen Werte-system, dem überkommenen Glauben und der kirchlichen Organisationsstruktur. In diesem Sinne befindet sich die Kirche in einem revolutionären Zustand.

    "Revolution ist ein Anzeichen schwerer politischer Erkrankung, und leider steckt sie an" (Duff Cooper). "Revolutionäre kommen meist nur zum Zuge, wo die bestehenden Mächte nicht mehr willens und fähig sind, ihren Platz zu behaupten" (Tschirschky). Eben dies ist in der Kirche der Fall gewesen.

    Das Kollegium der Bischöfe und der Klerus haben sich durch die progressistische Theologie zu zahlreichen überflüssigen, sinnlosen oder gefährlichen Änderungen bestimmen lassen; sie reichen vom Gottesdienst bis zum Ämtersystem. Es hat ihnen völlig an Voraussicht gefehlt, dass sie mit ihren Pseudoreformen eine Lawine lostreten würden.

    "Der Staatsmann muss die Dinge rechtzeitig herannahen sehen und sich darauf einrichten. Versäumt er das, so kommt er mit seinen Maßregeln meist zu spät" (Bismarck). Die Bischöfe meinten, angeblich berechtigten Wünschen und Beschwerden entgegenkommen zu sollen und dadurch weitergehenden Forderungen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie haben sich getäuscht.

    "Es gehört zum Wesen der politischen Konzessionen, dass sie immer zu spät kommen" (Stefan Zweig). "Die Revolution ist ein Naturelement wie das Meer, nicht mit einem Sprung bricht solche Sturmflut ins Land, sondern nach jedem erbitterten Stoß läuft die Welle zurück, scheinbar erschöpft, in Wirklichkeit aber nur, um neu und zu vernichtenderem Anschwung auszuholen" (Stefan Zweig).

    Die Revolution setzt auf die öffentliche Meinung. Sie sucht diese durch unaufhörliche Bearbeitung für sich zu gewinnen. "Ohne Reden wäre es nie zur Revolution gekommen" (Aubry). "Wer Revolution sagt, sagt notwendig auch Propaganda" (Aubry). Auf diese Propaganda verstehen sich die Träger der innerkirchlichen Revolution meisterhaft. Sie beherrschen die wichtigsten Verlage und die meisten theologischen Zeitschriften, sie kommen in den elektronischen Medien fast ausschließlich zu Wort.

    Von den revolutionären Zuckungen sind Glaubens- und Sittenlehre, Gottesdienst und Ordnung in gleicher Weise ergriffen. Die Revolution zielt auf Umwandlung der katholischen Kirche in eine weitere protestantische Denomination.

    Der Prozess der Protestantisierung ist auf allen Gebieten schon weit fortgeschritten. Die Fundamente, auf denen die Kirche ruht, sind unterwühlt. Vorläufig stehen noch die Fassaden. Aber ihr Kern ist aufs Höchste gefährdet oder bedenklich angekränkelt. Der Aufbau einer anderen, einer Gegenkirche ist weit vorangeschritten. Man muss endlich der Tatsache ins Auge sehen: "Es gibt eine neue Kirche, und es ist nicht die alte in neuem Gewand" (1).

    Den Mitgliedern der Hierarchie sei noch einmal, zum letzten Mal gesagt: "Jede Revolution ist eine vorwärtsrollende Kugel" (Stefan Zweig). "Die Revolution will vorwärts, sie muss vorwärts, wenn sie nicht versanden soll, den Revolution ist flutende Bewegung. Stehen bleiben wäre für sie Verhängnis, Rücklauf ihr Ende, sie muss verlangen, immer mehr verlangen, um sich zu behaupten, sie muss erobern um nicht besiegt zu werden" (Stefan Zweig).

    Eine Revolution lässt sich nicht beschwichtigen. Nachgiebigkeit und Zurückweichen schwächen ihre Forderungen nicht ab, sondern stärken nur ihre Selbstsicherheit. Man kann Revolutionen gewaltsam unterdrücken, aber man kann sie niemals mit diplomatischen Kunstgriffen oder Ködern irre machen. Die Bischöfe mögen sich daran erinnern: "In Revolutionen bleibt zuletzt den Ruchlosesten die Autorität" (Aubry).

    2.  Die Umstülpung der Kirchenverfassung

    Besonders sichtbar und folgenreich ist die bereits geschehene und weiterschreitende revolutionäre Veränderung der Kirche in der Umstülpung der Kirchenverfassung. Neben der von Christus eingesetzten Hierarchie hat sich eine andere Hierarchie etabliert.

    Diese neue Klasse ist vielgestaltig. Zu ihr zählen einmal die Gruppierungen und Kartelle von Theologen, die ein Neben- und Ersatzlehramt in Anspruch nehmen und das genuine Lehramt faktisch und effektiv in den Hintergrund gedrängt haben. Die Wirkung ihrer Tätigkeit ist offenbar. Im christlichen Volk ist nicht mehr die katholische Glaubenslehre herrschend, sondern das, was das Ersatzlehramt davon übriggelassen hat.

    Es ist heute so weit gekommen, dass die unverfälschte Botschaft der Kirche selbst bei praktizierenden Katholiken auf erbitterten Widerstand stößt. Das Ersatzlehramt konnte nur deswegen eine derartige Position erringen, weil das Lehramt in gigantischer Weise versagt hat. Statt seine Hirtengewalt zu gebrauchen, hat es zugesehen, wie die Wölfe in den Schafstall einbrachen.

    Zu der anderen Hierarchie zählen sodann die zahllosen Gremien, Räte, und Versammlungen, die von der Ebene der Pfarrei bis zum Heiligen Stuhl reichen. Sie verstehen sich als Repräsentativorgane des jeweiligen Teils des Volkes Gottes und treten in solcher Eigenschaft neben die geweihten Hirten.

    Auf diese Weise entsteht eine Art Doppelherrschaft mit all den Unzuträglichkeiten, die mit einer solchen verknüpft sind. In den Räten, Gremien und Versammlungen nehmen oft Unbefugte und Verbildete zu den Lebensfragen der Kirche Stellung und untergraben Lehre und Ordnung der Kirche in gleicher Weise. Wenn  die geweihten Hirten ihren Vorgaben nicht folgen, sind sie empört und lassen Drohungen vernehmen, gehen an die Öffentlichkeit und mobilisieren die Massenmedien.

    Typisch für die andere Hierarchie ist: Sie will nicht unterstützen, sondern herrschen. Ihr ist es nicht um Dienst zu tun, sondern um Macht. Am Horizont zeichnet sich die Gefahr einer gremialen Diktatur ab. Die Rätekirche ist jedenfalls in Deutschland eine Tatsache. Die kirchliche Hieararchie droht von der anderen Hierarchie übermächtigt zu werden. Das Rätesystem als Ganzes ist ein Anschlag auf die Hierarchie göttlichen Rechtes in der katholischen Kirche. Hier geschieht nicht mehr und nicht weniger als ein Umsturz der Kirchenverfassung auf kaltem Wege.



    (26)  Deutsche Tagespost Nr. 123 vom 14. Oktober 1995 S. 3
    (27)  Allgemeine Zeitung vom 14. November 1995 S. 9
    (28)  Deutsche Tagespost Nr. 152 vom 21. Dezember 1995 S. 9
    Ergebnisse:
    ( 1)  Theologisches 25, 1995, 256


    Schluss folgt 



    Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen


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    Einige Früchte aus dem Geist des Kirchenvolksbegehrens:


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    Weiteres zum Thema "Kirchenvolksbegehren von 1995":


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    Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 43: Das Verhalten der Bischöfe zur Veröffentlichung des Kirchenvolksbegehrens von 1995

    Prof. Dr. Georg May

    Die andere Hierarchie


    Teil 43


    Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


    Fortsetzung von hier
     
    III.   Das Verhalten der Bischöfe

    Das Kirchenvolksbegehren ist die Quittung für das Versagen der allermeisten Bischöfe. Sie haben zu ihrem Teil durch ihr Tun oder Unterlassen dem Volksbegehren den Weg bereitet. Ihr Widerstand gegen die kirchliche Sexuallehre und ihre Infragestellung des Zölibates sind nur zwei Beispiele ihres Versagens.

    Wegen dieser Einstellung verhielten sich die meisten Bischöfe zweideutig oder gar konnivent gegenüber dem Unternehmen. Angeblich äußerten mehrere Diözesanbischöfe, sie könnten das Begehren unterschreiben (13). Der Mainzer Hilfsbischof Eisenbach "äußerte Verständnis für mehrere Punkte des Begehrens" (14). Es wäre aufschlussreich, zu erfahren, wie viele und welche Bischöfe sich mit einzelnen Punkten oder mit der Gesamtheit des  Programms der Volksbegehrer identifizieren.

    Die Matadore des Kirchenvolksbegehrens haben eine Strategie, d. h. einen Plan, die einzelnen Aktionen für den gesamten Zweck ihres Vorgehens zu gebrauchen. Die deutschen Bischöfe haben keine Strategie; denn die Entschlossenheit, sich wie das Kaninchen vor der Schlange zu verhalten, ist keine Strategie. Die Initiatoren wussten: Wenn die Bischögfe vor etwas Respekt haben,  dann sind es Zahlen. Sie haben sich nicht verrechnet.

    Die deutschen Bischöfe waren nicht imstande, sich auf ein gemeinsames Vorgehen gegen das Kirchenvolksbegehren zu einigen. Vor allem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, war unfähig oder unwillig, den Kirchenvolksbegehrern die Antwort zu geben, die von Glaube und Ordnung der Kirche gefordert ist. Sein ständiges Lavieren und Taktieren ermutigte die Gegner.

    Lehmann empfing die Initiatoren des Kirchenvolksbegehrens zu einem Gespräch; die Atmosphäre war "angenehm und freundlich", wie seine Pressestelle bekannt gab. Lehmann teilte den Besuchern mit, er habe den Papst über die Unterschriftensammlung unterrrichtet (15). Er sorgte sich also für das Bekanntwerden der Aktion an höchster Stelle. In welcher Absicht geschah dies? Suchte er Unterstützung für eigene Pläne? Lehmann sah in dem Kirchenvolksbegehren "einzelne sehr positive Elemente" (16). Seine Bemerkung bei der Übergabe des Ergenbisses des Volksbegehrens, es habe sich "ein Informations- und Gesprächsbedarf" gezeigt (17), beweist, dass er den Sinn der ganzen Aktion nicht begriffen hat oder nicht begreifen will.

    Es geht nicht darum, durch Gespräche Informationen zu erlangen, um etwas besser verstehen zu lernen, sondern es soll auf den Partner so lange eingeredet werden, bis er, ermüdet, die Position der Volksbegehrer übernimmt. Der hier geforderte Dialog besagt nicht das sachliche Gespräch über strittige Gegenstände, sondern Durchsetzung  der eigenen verqueren Ansichten.

    Lehmann stellte den Unterzeichnern sogar einen Freibrief aus, indem er das Begehren als "weder ehrenrührig noch sanktionsbedürftig" bezeichnete; kirchliche Mitarbeiter, die ihre Unterschrift leisteten, brauchten keine Angst zu haben,  sie könnten disziplinarisch belangt werden (18). Für Lehmann ist der Aufstand  gegen die Kirche offenbar eine Bagatelle. Wenn er formulierte, viele sähen in dem Kirchenvolksbegehren eine Möglichkeit, "ihre Sorge über die Lage der Kirche zum Ausdruck zu bringen" (19), so war dies eine total verharmlosende Äußerung. Denn nicht Sorge über die Lage der Kirche war das Motiv des Unternehmens, sondern die Absicht, eine andere Kirche an die Stelle der katholischen Kirche zu setzen. Völlig unbegreiflich ist, wenn Lehmann das Kirchenvolksbegehren mit Freiheit der Meinungsbildung in Verbindung brachte (20). Hier wurde doch nicht um Unterrichtung oder gar um Wahrheit gerungen, sondern hier gingen Ideologen aggressiv gegen Lehre und Ordnung der Kirche vor.

    Benachbarte Bischöfe verhielten sich wenig anders als Bischof Lehmann. Der Limburger Bischof Kamphaus überließ den Pfarrgemeinderäten die Entscheidung, ob das Kirchenvolksbegehren in kirchlichen Räumen vorbereitet und durchgeführt wird (21). Er unterstützte also den Aufstand gegen die Kirche durch Bereitstellung kirchlicher Gebäude.

    Gläubige Christen waren empört über das laue Verhalten der Bischöfe und suchten ihnen ins Gewissen zu reden. Ein Laie bemerkte: "Das Projekt des Kirchevolksbegehrens geht in die falsche Richtung, und es ist Sache der Bischöfe, das den Gläubigen mit aller Klarheit zu sagen und sie aufzurufen zur Umkehr von dem Weg der bürgerlichen Anpassung und Gleichschaltung" (22). Doie Bischöfe dachten nicht daran, zur Umkehr aufzurufen. Robert Spaemann rief den Bischöfen zu: Ihr Hirten erwacht! Sein Zuruf ist ungehört verhallt. Die Hirten erwachen nicht, sie schlafen weiter den Tiefschlaf derer, die entschlossen sind, sich durch niemanden zu Aktion und Reaktion aufrufen zu lassen.


    IV.  Der Nutzen des Begehrens

    Dennoch hatte das Kirchenvolksbegehren einen Nutzen. Seine einzige positive Bedeutung liegt darin, dass es dem, der sehen will, das Ausmaß der innerkirchlichen Zerrüttung offenbar macht. Es ist richtig bemerkt worden, dass das Kirchenvolksbegehren denen, die es bisher nicht bemerkt haben, zeigt, "wie weit die Entchristlichung der Gesellschaft... schon fortgeschritten ist" (23).

    1.  Katholiken

    Weder das äußere Erscheinungsbild noch die innere Wirklichkeit der Kirche bildet noch eine Einheit. Die Glieder der Kirche sind sich weder im Lehrglauben noch in der Sittenlehre mehr einig. Ich stimme der Einschätzung Küngs zu, dass der "allergrößte Teil" der deutschen Katholiken hinter den Forderungen des Kirchenvolksbegehrens stünden (24). Nur ist die Bemerkung dahin zu ergänzen, dass der  "allergrößte Teil" der deutschen Katholiken noch viel weitergehende Wünsche hat. Er würde auch zustimmen, wenn die katholische Eucharistielehre zugunsten der zwinglianischen aufgegeben würde.

    Niemand täusche sich. Wenn Zölibat, katholische Sexualmoral und Unauflöslichkeit der Ehe fielen, kehrte nicht etwa Ruhe in der Kirche ein. Dann würden andere Gegenstände von Lehre und Ordnung der Kirche in Frage gestellt, etwa die metaphysische Gottessohnschaft Jesu und der dreieinige Gott. Der Bazillus des Demokratismus hat weiteste Teile des katholischen Volkes erfasst. Er besteht, kurz gesagt, darin, dass die Mehrheit Recht habe und dass die Mehrheit über alles zu bestimmen befugt sei.

    Legen Sie einmal der Masse der Menschen zwei sittliche Anschauungen über ein und denselben Gegenstand gleichsam zur Auswahl vor. Sie können sicher sein, dass die überwältigende Mehrheit sich für jene Auffassung entscheidet, die sie für bequemer und leichter empfindet. 

    Mich wundert nicht, dass Hunderttausende, vielleicht Millionen hinter den Forderungen des Kirchenvolksbegehrens stehen, sondern dass es überhaupt noch katholische Männer und Frauen gibt, die dem Sog des Progressismus und des Modernismus, der von den Bischöfen gefördert oder geduldet worden ist, nicht erlegen sind.

    2.  Priester

    Das Kirchevolksbegehren zeigt auch dem, der es noch nicht wusste, wie es in der deutschen Priesterschaft aussieht. Eine hohe Zahl von Priestern hat das Unternehmen aktiv und mit voller Kraft unterstützt. Priester, die Bedenken gegen Inhalt und Form der Aktion hatten, bekamen Schwierigkeiten mit ihrem Pfarrgemeinderat und gaben schließlich nach. An zahlreichen Orten wurden kirchliche Dienste und Räume für die spalterische Kampagne bereitgestellt. In Gottesdiensten und Gottesdiensträumen wurde dafür Propaganda gemacht.

    3.  Massenmedien

    Selbstverständlich stimmten die grundsätzlich kirchenfeindlichen Massenmedien dem Kirchenvolksbegehren zu. Auf eine solche Aktion hatten sie geradezu gewartet. Der "Spiegel" konnte das Programm der Kirchevolksbegehrer bereits angeben, bevor es aufgestellt war (25). Der Erfolg des Kirchenvolksbegehrens spricht nicht für die Qualität seines Inhalts, sondern offenbart die Reichweite des Einflusses der Massenmedien. Das Kirchenvolksbegehren zeigt, wer die Macht in Kirche und Gesellschaft hat; es ist nicht die Hierarchie, sondern es sind die Massenmedien.


    (13)  FAZ Nr. 216 vom 16. September 1995 S. 5
    (14)  Glaube und Leben vom 19. November 1995 S. 2
    (15)  Glaube und Leben Nr. 50 vom 10. Dezember 1995 S. 3
    (16)  Deutsche Tagespost Nr. 106 vom 5. September 1995
    (17)  Deutsche Tagespost vom 5. Dezember 1995 S. 4
    (18)  Allgemeine Zeitung vom 15. September 1995 S. 13 und vom 12. Oktober 1995 S 14
    (19)  Deutsche Tagespost vom 21. November 1995 S. 4
    (20)  Deutsche Tagespostvom 4. November 1995 S. 4
    (21)  Wiesbadener Kurier vom 7. September 1995
    (22)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
    (23)  Deutsche Tagespost Nr. Nr. 150 vom 16. Dezember 1995 S. 15
    (24)  Allgemeine Zeitung vom 14. November 1995 S. 2
    (25)  Deutsche Tagespost Nr 123 vom 14. Oktober 1995 S.3


    Fortsetzung folgt

    Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen 

    Montag, 21. Juli 2014

    Prof. Georg May: Die andere Hierarchie - Teil 42: Das Kirchenvolksbegehren von 1995

    Prof. Dr. Georg May

    Die andere Hierarchie


    Teil 42


    Verlag Franz Schmitt Siegburg AD 1997


    Fortsetzung von hier

    §  14  Das sogenannte Kirchenvolksbegehren

    Neben den von den Bischöfen eingeführten demokratischen Strukturen gibt es die Basisdemokratie, die sich von den Bischöfen emanzipiert hat. Sie wird von progressistischen Theologen gesteuert und hat ihren vorläufigen Höhepunkt in dem sogenannten "Kirchenvolksbegehren" (Anm.: von 1995) (1) gefunden.

    I.  Inhalt und Beurteilung

    1.  Inhalt

    Der Inhalt des Volksbegehrens ist "eine bewusst unklar gehaltene demagogische Mischung aus Selbstverständlichkeiten, Zweideutigkeiten und einigen Forderungen, die mit dem katholischen Glauben schlicht unvereinbar sind" (2). Manche Äußerungen, die in dem Kirchenvolksbegehren enthalten sind, lassen sich richtig verstehen; aber im Mund der Initiatoren und Propagandisten des Volksbegehrens sind sie mit Sicherheit falsch gemeint. Die aufgeworfenen Fragen sind längst erschöpfend und schlüssig beantwortet, aber den Initiatoren passt die Antwort nicht. Deswegen treten sie an zum Umsturz des Gefüges Kirche.

    a) Glaube

    Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Initiatoren den katholischen Glauben in wesentlichen Punkten zerstören wollen. Wer Erbsünde, Gericht und Verdammnis aus dem katholischen Bekenntnis streichen will (3), der hat sich vom katholischen Glauben verabschiedet. Wenn die Kirche alles das abschaffen wollte, was heute angeblich oder wirklich nicht mehr verstanden wird, bliebe vom Christentum nicht mehr viel übrig.

    "Die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens sind nichts anderes als die Symptome einer Glaubenskrise" (4). Leo Scheffczyk hat zu dem Kirchenvolksbegehren festgestellt, "dass es sich hier um eine totale Verkehrung des katholischen Glaubens handelt und um eine Zuspitzung der jahrzehntelangen Glaubenskrise, die nun zu einer nicht mehr zu leugnenden inneren Spaltung der Kirche dieses Landes geführt hat" (5). Kurt Krenn schrieb richtig: "Es steht die Unversehrtheit des Glaubens und die Identität der römisch-katholischen Kirche auf dem Spiel" (6).

    b)  Sittlichkeit

    Das Kirchenvolksbegehren steht im Dienst der Entschärfung der Botschaft Jesu Christi, es ist ein Unternehmen zur Herstellung größtmöglicher Bequemlichkeiten auf Erden. Sein Ziel ist der Abbau alles Beschwerlichen im Glaubensbekenntnis, in der Sittenlehre und in der Disziplin der Kirche. Was die Masse der Menschen begehrt, weiß man, bevor sie ihr Begehren äußern.

    Die Kirchenvolksbegehrer wollen es den Katholiken abnehmen, sich als Katholiken behaupten zu müssen. Wer Warnungen und Hinweise auf die bevorstehenden Übel als Drohungen auffasst, der mag dies tun. Nur richtet sich dann sein Vorwurf gegen den Begründer der christlichen Religion.

    Den Kirchenvolksbegehrern ist der Gott des Christentums verlorengegangen. Sie haben sich einen Gott nach ihrem eigenen Bilde geschaffen. Das Kirchenvolksbegehren ist eine Neuauflage des Abfalls der Israeliten von Jahwe und der Zuwendung zum goldenen Kalb.

    Hinter dem Schlagwort von der "positiven Bewertung der Sexualität" steht der sexuelle Libertinismus, verbirgt sich nach Robert Spaemann "weltfremde Häresie" (7). Nicht die kirchliche Verkündigung ist auf die Sexualmoral fixiert, sondern die Phalanx ihrer Gegner. "Wenn die Autoren die eindeutige und exklusive Hinordnung der menschlichen Sexualität auf die Ehe im Christentum als einen zu hohen Anspruch ablehnen, dann sollen sie das sagen" (8).

    Die Propagierung naturwidriger Empfängnisverhütung, vor- oder außerehelichen Geschlechtsverkehrs und homosexueller Betätigung ist nicht positive Bewertung der Sexualität, sondern Verkehrung der Schöpfungsordnung.

    c)  Kirchenverfassung

    Das Kirchenvolksbegehren ist der organisierte Aufstand gegen Glauben und Verfassung der Kirche. Die Forderung, die angeblich bestehende "Kluft" zwischen Klerus und Laien zu beseitigen, kann wohl nur dahin verstanden werden, die Struktur der Kirche zu zerstören. Denn in dieser Kirche liegt nun einmal die Leitung beim Klerus.

    Mit der "Überwindung der Kluft zwischen Klerus und Laien" ist nicht weniger angezielt als die Eliminierung des sakramental-hierarchischen Priestertums, das nach dem letzten Konzil "dem Wesen nach" vom allgemeinen Priestertum verschieden ist (Lumen gentium Nr. 10).

    Wer nicht mehr weiß, was eine sakramentale Weihe ist, vermag allerdings keinen Unterschied zwischen Geweihten und Nichtgeweihten zu erkennen. Hinter dem Begriff der "geschwisterlichen" Kirche verbirgt sich die Attacke auf das Amt göttlichen Rechtes. Übrigens steht die Macht der Räte zu der geschwisterlichen" Kirche, die sich durch herrschaftsfreie Beziehungen auszeichnen soll, im Widerspruch. Wenn es nur noch Gleiche gibt, dann können nicht die Mitglieder des Pfarrgemeinderates Bestimmungen über andere treffen.


    II.  Die Wurzeln des Begehrens

    1.  Die progressistischen Theologen

    Das Kirchenvolksbegehren ist nicht dem gläubigen Volk entsprossen. Hinter ihm stehen vielmehr Theologen, die Falsches lehren.

    Das Kirchenvolksbegehren ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahrzehnten ungestörten Wirksamkeit der progressistischen und modernistischen Theologen; die Aktion ist ihr Werk. Die beiden Initiatoren des Kirchenvolksbegehrens in Österreich und Deutschland, Thomas Plankensteiner und Christian Weisner, wurde nicht umsonst der Preis des abgefallenen Theologen Herbert Haag verliehen (9). Die Initiatoren sind verführte Verführer. Zahlreiche Theologen haben ihnen Beifall gespendet und die Menschen zur Unterstützung aufgerufen.

    Die Theologen Fuchs, Mette, Greinacher und Steinkamp begrüßten die Zustimmung zu dem Kirchenvolksbegehren und sahen darin eine Parallele zu dem Aufstand gegen das Regime in der DDR (10). Wer die Namen Küng, Drewermann, Greinacher, Zulehner, Eicher und Mette als Befürworter liest, weiß, wohin die Reise geht. "Die alten Geister des Modernismus" (11) kehren zurück und wollen sich durchsetzen.

    Bei diesem Begehren wird aus dem Volke heraus gefragt, was die progressistischen und modernistischen Theologen seit Jahrzehnten pausenlos und ohne die Behinderung durch die Bischöfe in das Volk hineingerufen haben, was sogenannte katholische Verlage seit Jahrzehnten an Publikationen in das Volk geworfen haben, die den Glauben zersetzen, die Sittenordnung zerstören und das Recht der Kirche entnerven, was aus sogenannten Katholischen Akademien und sogenannten katholischen Bildungsanstalten an Verführung in das katholische Volk geträufelt worden ist.

    2.  Protestantismus

    Alle Feinde und Gegner der Kirche stimmten dem Volksbegehren zu. Der "Spiegel" witterte Morgenluft. Die Altkatholiken boten sich offen an als Heimstätte für unzufriedene Katholiken. Selbstverständlich wurde das Kirchenvolksbegehren von protestantischer Seite begrüßt (12). Das ist begreiflich. Denn das Unternehmen nährt sich zur Gänze aus protestantischen Vorstellungen und führt zu protestantischen Verhältnissen; es besorgt die Geschäfte des Protestantismus.

    Alle Punkte des sogenannten Volksbegehrens tendieren zum Protestantismus. Die sogenannten Reformer haben keinen einzigen selbständigen Gedanken hervorgebracht; alle ihre Aufstellungen sind Anleihen beim Protestantismus. Nicht zuletzt der massiv betriebene Ökumenismus hat das katholische Volk anfällig gemacht für die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens.


    ( 1)  Aus der beträchtlichen Literatur erwähne ich "Wir sind Kirche". Das Kirchenvolks-Begehren in der Diskussion; Freiburg i. Br. 1995
    ( 2)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
    ( 3)  Deutsche Tagespost Nr. 4 vom 9. Januar 1996 S. 9
    ( 4)  Deutsche Tagespost Nr. 153 vom 23. Dezember 1995 S. 9
    ( 5)  Plettenberg, Die Saat geht auf 223
    ( 6)  Der Fels 27, 1996, 57
    ( 7)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
    ( 8)  Rheinischer Merkur Nr. 46 vom 17. November 1995 S. 26
    ( 9)  Der Fels 27, 1996, 56
    (10)  Fuchs u. a., Das Neue wächst 163-165
    (11)  Deutsche Tagespost Nr. 153/4 vom 23. Dezember 1995 S.4
    (12)  Materialdienst 146, 1995, 105f


    Fortsetzung folgt


    Übersicht: Zu den bisher erschienenen Fortsetzungen


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    Einige Früchte aus dem Geist des Kirchenvolksbegehrens:

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    Weiteres zum Thema "Kirchenvolksbegehren von 1995":

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    Kardinal Marx beauftragt Petrusbruderschaft mit Seelsorge an der Damenstiftskirche in München



    Endlich ist es soweit: Kardinal Reinhard Marx beruft die Priestersbruderschaft St. Petrus (FSSP) zur Seelsorge an der Münchner Damenstiftskirche St. Anna. Damit kommt nach P. Ludwig Hagel, der bereits seit einigen Jahren in München tätig ist, ein zweiter Priester der Petrusbruderschaft in die bayrische Landeshauptstadt. Der Distriktobere der FSSP für den deutschsprachigen Raum, P. Axel Maußen:
    Mit Freude geben wir bekannt, dass unsere Gemeinschaft zum 1. September 2014 im Auftrag der Erzdiözese München und Freising die komplette Seelsorge der bereits seit vielen Jahren an der Münchner Damenstiftskirche bestehenden Gottesdienstgemeinde übernehmen wird. Damit wird sich auch das Angebot an hl. Messen in der außerordentlichen Form an dieser Kirche wesentlich verbessern. So wird täglich eine Messfeier im alten Ritus angeboten werden. P. Christian Jäger ist mit dieser Aufgabe betraut worden. Er wird direkt bei der Kirche Wohnung nehmen und somit unsere erste offizielle Niederlassung auf Münchner Stadtgebiet begründen.
    Gottesdienstzeiten ab 1. September 2014: 
    Sonn- und feiertags: 9.30 Uhr
    Montag: 8.00 Uhr
    Dienstag bis Freitag: 17.30 Uhr
    Samstag: 8.00 Uhr

    Weitere Informationen bei P. Christian Jäger FSSP, Tel. 09446/9911051.
    (Info s. auch hier und bei clamormeus: "einfach entfachend!!!")


    Bild: Chorraum der Münchner Damenstiftskirche; wikipedia I, Rufus46

    Oekumene und Reinheit der katholischen Lehre



    Die Art und Weise der Formulierung des katholischen Glaubens darf keinerlei Hindernis bilden für den Dialog mit den Brüdern. Die gesamte Lehre muß klar vorgelegt werden. Nichts ist dem ökumenischen Geist so fern wie jener falsche Irenismus, durch den die Reinheit der katholischen Lehre Schaden leidet und ihr ursprünglicher und sicherer Sinn verdunkelt wird.

    II. Vatikanum, Dekret Unitatis redintegratio (über den Ökumenismus), 11



     Foto: y.caradec, Thomas von Aquin, Doctor Angelicus
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